SAMISCHES SILBER. 

Als Nomadenvolk hat die samische Bevölkerung selber nie die Möglichkeit gehabt, Metall zu Schmuck zu verarbeiten. Eine Ausnahme war Zinn, das so einfach zu bearbeiten war, daß es die Samen selber zu Draht ziehen konnten mit dem sie Leder und Stoff  bestickten.

Ihren silbernen Trachtenschmuck  erhielten die Samen immer aus  Südskandinavien und Rußland.

Das Familiensilber wurde oft vergraben und es gibt viele alte Geschichten  von samischen Silberschätzen, die nie gefunden worden sind.

Was wir heute unter dem  Begriff  "samisches Silber" verstehen, ist eine moderne Bezeichnung für Silberschmuck, der in der Mitte der 1960-iger Jahre in der Juhls Silberschmiede in Kautokeino entwickelt wurde.

Zuerst wurde dort nur Silberschmuck für die samische Bevölkerung hergestellt, Trachtensilber, Fingerringe, Maljen und Kugeln. Später umfaßte die Auswahl auch Modelle, die auf mittelalterliche Bronze- und Silberschmuckfunde zurückgingen, welche an alten samischen Opferplätzen ausgegraben worden sind.

Tana Gull og Sølvsmie  AS produziert neben obengenannten Modellen auch  noch Schmuck mit Motiven von alten samischen Schamanentrommeln,  Felszeichnungen und Museumskopien.

 

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DIE KOMSEKUGELN

Im Mittelalter, bis in den Barock, gebrauchte man Filigrankugeln als  Trachtenschmuck in Skandinavien.

Im 18. Jahrhundert stellte man kleinere Kugeln her, die aus glatten Halbkugeln und Filigranteilen zusammengesetzt wurden.

Gleichzeitig fing man mit der Fertigung ganz glatter Kugeln an, an die rundherum kleine Ringe  gelötet  waren.  In diese Ringe wurden wiederum kleine lose Silberringe montiert, die vermutlich nur zur Verzierung gedacht waren, sie hatten keine magische oder praktische Bedeutung.

Die Samen befestigten die Kugeln an den Trachtenkragen. Als dieser Brauch am Ende des 19. Jahrhunderts aufhörte, wurden die Kugeln über die samischen Kinderwiegen, Komsen, gehängt und bekamen daher ihren heutigen Namen: Komsekugeln.

Die Samen hofften, daß die Komsekugeln die Babys vor den Unterirdischen schützen  würden. Es herrschte der Aberglaube, daß die Unterirdischen  ihre eigenen Kinder mit denen der Samen vertauschen wollten.  Man glaubte, daß die Unterirdischen sich den Babys nicht nähern könnten, wenn eine beschützende Komsekugel über der Kinderwiege hinge.

Heute werden die Komsekugeln oft in samischen Gebieten als Taufgeschenk  überreicht.

 

 

 

 

DIE ZAUBERTROMMEL-FIGUREN

Der größte Teil unseres samischen Silbers hat seine Motive von Zeichnungen auf alten  samischen Schamanentrommeln . Eine Schamanentrommel war aus Holz und Rentierhaut hergestellt. Auf dem Trommelfell waren, mit Hilfe von rotem Planzensaft, Figuren gemalt. Ein kleiner Zeiger aus Rentierhorn wurde auf das Trommelfell gelegt und mit einem Hammer aus Rentierhorn wurde die Trommel geschlagen.  Die Vibration ließ den Zeiger auf dem Trommelfell herumhüpfen. Aus der Kombination der einzelnen Figuren , die der Zeiger auf seinem Wege berührte, meinte der Schamane die Zukunft und das Jagdglück voraussagen zu können.

Die   Zeichnungen auf den Trommeln waren  nach einem bestimmten Muster aufgebaut, ein Kosmos mit Bildern von verschiedenen Götterfiguren, der Sonne,  einem Jäger auf Ski und dem Schamanen mit seiner Trommel in der linken- und dem Hammer in der rechten Hand.  Tiere wie Bären, Elche, Biber, Fische, Vögel und Rentiere in allen Varianten, sind auf fast jeder Trommel  abgebildet.

Interessant ist die häufige Abbildung der Schellente. Die Samen hängten im Frühjahr spezielle Brutkästen für diese Enten auf und entnahmen jedem Kasten nach und nach einige Eier. Die  Eier waren  sehr wichtig  in einer Jahreszeit, in der es sonst an frischen Nahrungsmitteln fehlte.

 

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GÜRTELRINGE (SONNENRÄDER)

Die Samenfrauen befestigten große runde Gürtelschmuckstücke aus Metall oder Rentierhorn an der Seite ihrer breiten Ledergürtel.

Unter  diese Gürtelschmuckstücke wurden Messer, Löffeltasche, Scherenfutteral, Nadelhaus und Geldbörse  gehängt.  Wenn die Samenfrauen an den Rentierzügen teilnahmen,  kamen noch diverse Schlüssel für die Speicher und Schatzkisten dazu.

Die Vorbilder einiger unserer  Gürtelschmuckstücke, die bei uns zu Broschen und Anhängern verarbeitet werden,  stammen aus dem Mittelalter. Sie wurden vor einigen Jahrzehnten  bei  Ausgrabungen von samischen Opferplätzen in Schweden gefunden. Die Forscher vermuten, daß die Motive der Schmuckstücke  Sonnenräder darstellen, und daher bekamen die Schmuckstücke  ihren Namen Sonnenrad.

Der Name  ist modern und kam erst mit der Etablierung  der Silberschmieden in Finnmark auf.

Auch Modelle aus Rentierhorn haben als Vorbilder gedient, diese waren jedoch nicht so groß wie die Gürtelschmuckstücke aus Metall.  Alle  Sonnenräder mußten stark verkleinert werden, damit sie als Schmuck  für unsere heutige Kundschaft verwendet werden können.    

 

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DIE MALJEN .

Die Maljen sind alte Pilgersymbole aus dem Mittelalter. In der Zeit, in der Norwegen noch katholisch war,  unternahmen die Menschen Pilgerfahrten zu den großen Klöster in ganz Europa.

Dort erhielten sie eine Pilger-Marke als Beweis für die vollendete Fahrt. Diese Marken  waren als ein gotisches "M" geformt mit einer Krone darüber, ein Symbol für die  Jungfrau Maria, die Mutter Gottes. Es gab auch andere Buchstaben wie unser gotisches "A", und verschiedene gotische Zeichen, für die heute leider niemand mehr eine Erklärung hat.

Der lose Ring auf der Vorderseite der Maljen war vermutlich nur zur Verzierung gedacht, er hatte keine magische oder praktische Bedeutung.  Der kräfige Ring rund um die Rückseite wurde in Südnorwegen als Befestigungsring für Trachtenketten benutzt. Diese Befestigungsringe nannte man Maljen, daher haben die Pilger-Marken ihren heute gebräuchlichen Namen Malje erhalten.

Die Samen befestigten Maljen als Schmuck an den Kragen ihrer Tracht  und montierten sie reihenweise auf ihre Ledergürtel. Die Maljen waren fast immer vergoldet.

Der Aberglaube hat den Maljen sicher übernatürliche Kräfte zugeschrieben, lange nachdem die religiöse Bedeutung vergessen war. Heute sind sie dekorative Schmuckstücke ohne jede  religiöse Symbolik

 

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DIE SCHNEEHÜHNER

Die Vorbilder unserer Schneehühner sind mittelalterliche Schmuckstücke, welche an alten samischen Opferplätzen  in Schweden ausgegraben wurden. Sie waren entweder aus Bronze oder aus Zinn gearbeitet. Metallanalysen haben gezeigt, daß die Schneehühner aus Bronze im Ladogagebiet,  in Rußland, produziert worden sind.

Das Motiv deutet darauf hin, daß die Schneehühner speziell für die samische  Kundschaft  hergestellt wurden. Sie waren sicher ein beliebtes Tauschmittel in dem damals florierenden Pelzhandel. 

Der Ring auf dem Rücken einiger  Schneehühner deutet an,  daß sie vermutlich entweder  als Anhänger an Kleidern oder direkt als Schmuck getragen wurden.

Einige Schneehühner sind in Zinn den Bronzevorbildern nachgegossen und vermutlich von den Samen selber hergestellt. Sie wären damit bisher dcr früheste Beweis von samischer Metallarbeit.

Die Schneehühner haben eine so elegante Form, daß sie von einem modernen  Designer entworfen sein könnten .

 

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DAS TRACHTENSILBER

Das Trachtensilber der Samen  war ursprünglich südskandinavischen Ursprungs. Auch heute noch kann man Trachtensilber von fast  jeder südnorwegischen  Tracht zur samischen Kofte tragen.

Einige Modelle wurden speziell für die samische Kundschaft  hergestellt. Die Goldschmiede benutzten dann besonders dicke Silberplatten und Silberdrähte, da das Trachtensilber starkem Verschleiß ausgesetzt war.

Im Laufe der letzten  Jahre hat das Trachtensilber dramatische Veränderungen durchgemacht.

Die Silberschmiede in Finnmark haben ihre eigenen Modelle entworfen oder alte Modelle wieder zu produzieren angefangen, die schon seit  langer Zeit nicht mehr in Gebrauch gewesen sind. Der Trachtenschmuck ist größer und prunkvoller geworden, nachdem der Wohlstand in Finnmark seit dem Ende der 60-iger Jahre gestiegen ist.

In Kautokeino kan man Trachtenbroschen mit einem Diameter von 20 cm und mehr sehen.  Glasperlen und Rentierhorn sind ein  Beispiel für die unortodoxen Materialien, die heute zusätzlich zu Silber verwendet werden.

 

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DIE FINGERRINGE

Silberringe mit kleinen losen Anhänger-Ringen waren ursprünglich Trachtenringe aus Südskandinavien. Sie wurden von den Samenfrauen als Eheringe getragen. Heute trägt man auch bei uns gewöhnliche glatte  Goldringe als Eheringe.

Die kleinen losen Anhängerchen sind vermutlich nur zur Verzierung gedacht, sie haben keine praktische oder symbolische Bedeutung.  Sie waren entweder aus Filigran- oder glattem Draht hergestellt und bestanden meistens aus zusammengelöteten Ringen ,die etwas flach gehämmert wurden.

Die silbernen Fingerringe waren oft mit einer dicken Goldschicht überzogen.

Es stimmt nicht, daß die Anzahl der kleinen Ringe anzeigt, wieviele Kinder eine  Frau  hatte. Diese Erklärung wäre eigentlich sehr nett, hat aber leider nichts mit den historischen Realitäten zu tun.

 

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DIE SILBERLÖFFEL

Die  Silberlöffel wurden speziell für die samische Kundschaft hergestellt. Die Samen schickten  Vorbilder aus Rentierhorn zu Silberschmieden in Südnorwegen oder Nordschweden.  Die Silberlöffel   wurden von den  Samen als Eßlöffel verwendet.  Jeder Same hatte seinen eigenen Löffel in einer kleinen Ledertasche am Gürtel  hängen. 

Wenn man die Muster der alten Rentierhornlöffel studiert, entdeckt man, daß die Samen oft einen  Metallöffel als Vorbild für ihre eigenen Hornlöffel  gebraucht haben. Viele samische Silberlöffel sind somit die Kopie eines Hornlöffels, der wiederum die Kopie eines Metallöffels ist. Auf diese Weise ist ein eigener Stil mit speziellen Formen entstanden. 

Viele Silberlöffel hatten lose Ringe am Löffelstiel montiert. Die Ringe waren vermutlich nur Verzierung und hatten keine symbolische oder praktische Bedeutung.

Zwei unserer Silberlöffel sind direkt nach alten Rentierhorn-Vorbildern gearbeitet, die hier in unserem  Distrikt gefunden worden sind.